Schweden 2008 – oder die „Wunderwaffe Spinnerbait“

Lange lange Monate haben Kai und ich darauf hingefiebert und dann endlich ging es los Richtung Schweden. 1. Mai spät vormittags saßen wir im beladenen Auto, bestens ausgerüstet mit Kunstködern aller erdenklichen Sorten – so dachten wir zumindest.

Nach kaum enden wollenden 18 Stunden Autofahrt war es dann endlich geschafft und wir erreichten völlig platt im Morgengrauen das Ziel unserer Träume. Leider haben wir es mal wieder gepackt und kamen so an, dass auf dem Camping noch alles schlief.

Also hieß es erst mal warten bis wir die Hütte beziehen können. Da dann endlich angekommen hat es uns nach dem Ausladen erst mal zerrissen und wir mussten ein Nickerchen machen. So kam es dass wir erst gegen Mittag auf dem See waren. Zu allem Unglück begann dann auch gleich so ein beschissener Landregen, der nicht mehr enden wollte. Immer noch ziemlich fertig und vom Regen demotiviert beendeten wir den ersten Tag mit einem Schniepel auf meine Rechnung relativ früh. Wir hatten ja noch genug Zeit den Gäddas nachzujagen.

Am nächsten Morgen ging es dann früh raus. Beide waren wir heiß wie Frittenfett und hatten die ganze Nach von riesigen Hechten geträumt. Es fing auch gleich gut an. Unser erster Halt an einem riesen Felsen brachte Kai gleich den ersten Fisch, zwar kein Großer aber immerhin…

Es stellte sich schnell heraus, dass vieles anders war als im Jahr davor: Wir hatten richtig fette Strömung vom Schmelzwasser und viele Stellen fielen somit aus. Die Holländer auf unserem Camping erzählten uns zwar, dass die Fische noch flach stehen, aber zur Sicherheit riefen wir noch bei der Truppe von Thomas, Damian und Co an, um uns zu vergewissern. Immerhin waren wir Luftlinie nur ca. 15 km voneinander getrennt und die Verhältnisse mussten ähnlich sein. Nach dem Telefonat hatten wir nun 2 unterschiedliche Aussagen: Die Holländer waren für flach und Thomas sagte, dass die Großen schon tiefer stehen würden. Es half also alles nichts. Wir mussten es selber rausfinden.

Mit etwas Glück gelang es mir dann an diesem Tag noch einen schönen 86er in der dicksten Strömung auf nen großen Gummi zu fangen, aber alles andere kann der Kinderstube zugerechnet werden.

Immerhin war uns der Wettergott hold und wir konnten herrlichstes Wetter genießen. Die Sonne hat uns auch die ganze Woche verwöhnt und nicht mehr im Stich gelassen.

An diesem und dem darauf folgenden Tag haben wir echt alles erdenkliche ausprobiert: Fette Jerks an den Schilfkanten, dicke Gummis an den Strömungskanten, Köder jeder Art an den Steinpackungen, aber irgendwie wollte es nicht klappen. Selbst der noch so kleine Schniepel musste hart erkämpft werden. Das frustrierende daran war, dass wir uns bei den holländischen Kollegen jeden Abend die tollsten Fangmeldungen abholen konnten. Die fingen zwar auch viele kleine Fische, aber jeden Tag waren auch paar dicke dabei. Irgendwann waren wir es dann leid und erkundigten uns sehr genau danach, wie sie fingen. Sie sagten ganz cool:

„Altijd Spinnerbaits!“

 

Mehr brauchte es nicht, um ihren Erfolg zu beschreiben. Sie zeigten uns völlig verbogene und lädierte Spinnerbaits. Mann, die hatten echt schon was mitgemacht. Ich dachte echt ich spinne. Da schleppt man für tausend von Euronen die tollsten Köder mit ans Wasser und das solls nun sein?

Wie der Teufel es wollte hatte ich natürlich überhaupt keine Spinnerbaits dabei und Kai gerade mal 2 Stück. Nach kurzer Verhandlung konnten wir den netten Kollegen dann aber einige ihrer „Schmuckstücke“ abschwatzen und am nächsten Morgen ging es mit neuem Elan los.

Gesagt getan! Der erste Spot war eine riesige Schilfbank mit tiefem Wasser drumrum. Gleich beim ersten Wurf knallte es auf den Spinnerbait und der erste Schniepel war verhaftet. Innerhalb von 10 Minuten fingen wir an dieser Stelle 4 kleine Hechte und einen schönen Barsche. Als ich meinen Spinnerbait dann das nächste mal reindrehte spürte ich einen schönen Biss. Sofort kam ein super Barsch so um die 35 cm an die Oberfläche. Als ich ihn reinkurbeln wollte knallte es auf einmal in der Rute und ich traute meinen Augen nicht: Da hatte sich doch echt so ne Hechtmutti den Barsch geschnappt und ließ nicht mehr los? „Kescher Kai, Kescher!“ stammelte ich. Der Arsch ging mir auf Grundeis. Die Sau musste den verdammten Barsch doch nur loslassen und weg wäre sie. Stattdessen ließ Madam Hecht sich seelenruhig über den Kescher führen und war mein! Ein schlanker Fisch von 94 cm lag im Boot.

Absoluter Hammer! So was hatten wir noch nie erlebt. Bis nachmittags gesellten sich noch einige habstarke Hechte zu unseren Fängen und wir fuhren eine ruhige Bucht an. Direkt beim ersten Wurf hatte ich einen Nachläufer, der neben dem Boot komplett aus dem Wasser sprang, um an den Köder zu kommen. Leider hab ich zu langsam reagiert und auch die Figur 8 konnte ihn nicht mehr locken. Kai warf seinen Spinnerbait direkt an die Uferkante und bekam sofort einen guten Biss. Nach kurzem aber heftigen Drill konnte er einen schönen 93er landen.

Klappte also echt Granate mit den neuen Ködern. In den letzen verbleibenden Tagen hatten wir dann noch einige Highlights. Ich konnte noch einen 88er mitten aus einer Schilfbank locken. Das verfressene Tier hat den Köder 3 Mal hintereinander gepackt bevor er endlich hing.

Noch ein weiterer 94er und ein 80er vielen auf den Spinnerbait rein.

Wir fingen beide wirklich noch viele schöne Fische, aber irgendwie waren dem armen Kai nicht sehr viele größere Fische gegönnt. Beim nächsten Mal wird dafür dann wieder alles anders.

Am vorletzten Tag hatten wir jedoch noch eine Sternstunde. Eigentlich wollten wir aufgrund der späten Stunde längst schon zurück zum Camping, aber wir entschieden uns dafür, die Flachwasserzone direkt am Flusslauf etwas intensiver zu beangeln. Nach wenigen Würfen bereits schepperte es richtig in meiner Rute und wich wusste, dass ich nen verdammt guten Fisch dran hatte. Ein kurzer aber harter Fight brachte dann den leider einzigen metrigen der Tour ans Tageslicht: 1,02 Meter und richtig schön fett! Ich war überglücklich und freute mich schon auf mein „Meterbier“ am Abend:

Beide überglücklich machten wir noch ein paar Würfe und schon diesmal schepperte es bei Kai. Kurze Zeit später ergab sich auch dieser Fisch und war mit 87 cm nicht ohne.

Am letzten Abend klang der Urlaub dann mit einem super Abschluss am Lagerfeuer zusammen mit unseren neu gewonnenen holländischen Freunden gemütlich aus und wir konnten wieder mal auf einen gelungenen Urlaub mit vielen Impressionen und einzigartigen Momenten zurückschauen. Alleine die Natur mit all ihren Sehenswürdigkeiten wie Bibern, Adlern, Elchen, Waschbären und Co. ist jederzeit eine Reise wert. Ich hoffe nun sehr, dass ich nächstes Jahr auch trotz beginnendem Studium wieder mit dabei sein kann und wir verabschieden uns mit einigen Impressionen aus dem Lande der Gäddas.

Guido und Kai

P.S. Nächstes Mal haben wir Spinnerbaits bis zum Abwinken dabei!!!!